Trotz modernster EDV kommunizieren viele Ärzte zum Teil noch immer umständlich per Brief miteinander. Die Praxisprogramme sind oft nicht kompatibel. Außerdem erschweren hohe Sicherheitsanforderungen den Einstieg in den elektronischen Austausch von Patientendaten.
Das Gesundheitsnetz Viersen hat eine Lösung für diese Probleme gefunden: Die Ärzte setzen eine Software ein, die unterschiedliche EDV-Systeme verbindet, hohen Sicherheitsansprüchen genügt und einfach zu bedienen ist.
"Für uns ist die elektronische Kommunikation das notwendige Mittel zur organisatorischen Vernetzung", erklärt Dr. Johann Heinrich Arens, Vorstandsvorsitzender der Gesundheitsnetz Viersen AG. Das Netz wurde 1999 als Aktiengesellschaft gegründet und hat heute rund 50 Mitglieder.Die Ärzte haben unter anderem eine zentrale Notfallpraxis eingerichtet. Außerdem wollen sie mit zwei Kliniken des Kreises ein Projekt zur sektorübergreifenden Behandlung von Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, koronarer Herzkrankheit und Asthma beginnen. "Dafür brauchen wir die Möglichkeit, Behandlungsdaten schnell auszutauschen", sagt Arens.
Die Laborschnittstelle ist in allen Programmen realisiert
Möglich wird die reibungslose Kommunikation durch den Einsatz des Programms ibs v2 des Offenburger Anbieters On-Lab. Rund die Hälfte der Mitglieder des Gesundheitsnetzes haben die Software bereits installiert, bis zum Spätsommer sollen die übrigen Mediziner und die beiden Kliniken folgen. Das Besondere: Die Software verbindet die unterschiedlichen EDV-Systeme. Die Daten wandern über einen Verbindungspunkt, den alle Programme haben: die Laborschnittstelle.
Ärzte installieren das Hauptprogramm auf einem zentralen Rechner und auf weiteren Computern, den sogenannten "Clients", die mit dem Hauptrechner in Kontakt stehen. So haben sie von jedem Arbeitsplatz aus Zugang zu dem Programm. "Ärzte können aus der Patientenkartei heraus einen Arztbrief schicken", erklärt On-Lab-Geschäftsführer Dr. Rainer Arold. Zum Senden muss der Arzt dann nur noch einen speziellen Button im Programm anklicken.
"Im Grunde handelt es sich um nichts anderes als ein geschütztes E-Mail-System", erläutert Allgemeinmediziner Arens. Wer mit einem herkömmlichen E-Mail-Programm umgehen könne, habe keine Schwierigkeiten mit ibs v2.
Allerdings werden die Daten nicht über das Internet transportiert, sondern gelangen über einen speziellen Datentunnel in das Rechenzentrum von On-Lab. Von dort rufen Ärzte, die ebenfalls mit der Software arbeiten, ihre Post ab. Dazu können sie zwei verschiedene Einstellungen wählen: Das Programm nimmt entweder automatisch in regelmäßigen Abständen Kontakt zu dem Server auf oder nur nach Anweisung des Arztes.
Die Verbindung erfolgt über Modem, ISDN oder DSL
Die Daten werden sowohl verschlüsselt verschickt als auch aufbewahrt. Die Verbindung zum Server ist über Modem, ISDN oder DSL möglich. Der Hersteller empfiehlt DSL, weil es immer schneller und immer billiger wird. "Der Arzt kann den erhaltenen Arztbrief in der Karteikarte des Patienten speichern", so Arens. Auch große Datenmengen, wie Röntgenbilder, können über diesen Weg transportiert werden.
Perspektivisch wollen die Mediziner auch die Notfallpraxis an dieses System anschließen. Technisch ist das kein Problem, denn die Mediziner müssen nur eine Kopie des jeweiligen Arztbriefes an die Notfallpraxis schicken. Dafür ist eine schriftliche Einverständniserklärung des Patienten erforderlich. Das ist für die Kommunikation zwischen den behandelnden Ärzten nicht der Fall, so Arens. "Es ist ja nichts anders als ein klassischer Arztbrief, der mit der Post transportiert wird."
Die Software kostet einmalig 250 € plus Mehrwertsteuer, hinzu kommt eine monatliche Gebühr von 15 €. Der Hersteller installiert die Software bei Bedarf für weitere 250 €. Diese Gebühr läßt sich in den meisten Fällen sparen. Im Viersener Gesundheitsnetz haben die meisten Ärzte die Installation ohne Hilfe vornehmen können. Arens: "Den übrigen hat ein Kollege geholfen."
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Ärzte Zeitung.
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