VIERSEN (iss). Im Gesundheitsnetz Viersen sind Ärzte in die Offensive gegangen: 15 Praxen mit insgesamt 29 Haus- und Fachärzten, die inneren Abteilungen von zwei Kliniken und die Notdienstpraxis haben sich freiwillig nach ISO 9001:2000 zertifizieren lassen.
"Wir hoffen, damit den immer wieder unfair und pauschal erhobenen Vorwürfen mangelnder Qualität den Boden zu entziehen", sagt Dr. Heinz-Peter Maus, Vorsitzender
der Kreisstelle Viersen der KV Nordrhein. Maus nennt weitere Motive für das Engagement der Kollegen: Der Qualitätsnachweis sei auch aus Marketinggründen sinnvoll. Viele Vertragsmodelle wie die Hausarztverträge setzten ein Qualitätsmanagement (QM) voraus - und die Ärzte hofften auf ein besseres Honorar.
Die Vorbereitungszeit lag bei anderthalb Jahren
"Der Aufwand für die einzelnen Praxen lag bei etwa anderthalb Jahren Vorbereitungszeit mit etwa 250 Arbeitsstunden für das Team und einem nicht geringen finanziellen Aufwand", berichtet der Allgemeinmediziner Maus. Die Einführung eines QM-Systems mit anschließender Zertifizierung sei von den beteiligten Praxen mit einem sechsstelligen Euro-Betrag finanziert worden, ergänzte der Brüggener Hausarzt Dr. Johann Arens, Vorstand im Gesundheitsnetz Viersen.
"Durch Qualitätsmanagement wurden Behandlungsweisen von Praxen und Kliniken
in Viersen aufeinander abgestimmt."
Dr. Johann Arens Hausarzt in Brüggen
Durch die Einführung des QM in Praxen und Kliniken sei in Viersen das Problem der Abstimmung der unterschiedlichen Behandlungsweisen zwischen Haus-, Fach- und Klinikärzten gelöst worden. Die zertifizierten Praxen und Klinikabteilungen verfahren laut Arens bei großen Krankheitsbildern jetzt einrichtungsübergreifend.
Die Termine können nun flexibler vergeben werden
Die Terminvergabe sei flexibler geworden, die QM-Instrumente ermöglichten dem Praxisteam eine "strenge Termindisziplin", berichtete Fritz. Die Praxis habe ein System für die sachliche Patienteninformation zu verschiedenen Themen entwickelt, alle Informationen können die Patienten auch von der Homepage herunterladen.
Das Qualitätsmanagement habe seine Verordnungspraxis noch wirtschaftlicher gemacht, sein Umgang mit Disease-Management-Programmen (DMP) habe sich verändert. "Mit Hilfe der QM-Instrumente konnte ich die Zahl der DMP-Patienten von 2005 bis heute um 73 Prozent steigern", sagte er. Auch bei Vorsorgeleistungen und Früherkennungsuntersuchungen verzeichnete Fritz durch die "optimierte Prozesslenkung" einen deutlichen Zuwachs.
Der Erfolg ist an Protokollen und Checklisten ablesbar
Verbesserungen hat er in seiner Praxis zudem in den Bereichen Hygiene, Datenschutz und Arbeitssicherheit erreicht. Das Resümee des Hausarztes: "Die positiven Veränderungen konnten nur erzielt werden, weil wir mit Hilfe des QM systematisch nach Regeln arbeiten, die dauernd von allen Teammitgliedern reflektiert werden und weil der Erfolg an Protokollen, Checklisten und Kennzahltabellen ablesbar und nachprüfbar ist."
Aus der Ärzte Zeitung Online vom 07.09.2007
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