Was für Betriebe und Unternehmen in der freien Wirtschaft schon seit Jahren üblich ist, ist im Gesundheitswesen noch selten: 15 Arztpraxen mit insgesamt 29 Ärzten haben sich einer freiwilligen ISO-Zertifizierung unterzogen.
Beteiligt am Verfahren waren auch die Internistischen Abteilungen des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Viersen und des Städtischen Krankenhauses Nettetal sowie die Notdienstpraxis in Dülken. Für den Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) setzen die Arztpraxen im Viersener Westkreis neue Maßstäbe, wie die Pressesprecherin der KVNo, Ruth Bahners, gestern bei der Vorstellung des Projektes in Dülken erklärte.
Den Grundstein zu ihrer Qualitätsoffensive legte die Gesundheitsnetz Viersen (GNV) AG bereits vor drei Jahren. Damals beschloss sie die verbindliche Einführung eines Qualitätsmanagements für alle angeschlossenen Arztpraxen. Erst Anfang 2006 wurde dies für die niedergelassenen Ärzte bundesweit verpflichtend. Die GNV-Ärzte ließen sich von der DEKRA zertifizieren. Alle beteiligten Praxen müssen sich jährlich überprüfen lassen.
INFO
Zertifiziert ind 15 Arztpraxen mit insgesamt 29 Ärzten in Viersen, Brüggen, Niederkrüchten und Grefrath. Dazu die Internistischen Abteilungen der Krankenhäuser in Viersen (AKH) und Nettetal.
Niedergelassene Ärzte im Kreis Viersen insgesamt 376
Ermächtigte Ärzte (an Krankenhäusern) 39
Krankenhäuser 10
Etwa eineinhalb Jahre dauerte die Vorbereitungszeit für die Zertifizierung. Etwa 250 Arbeitsstunden investierten die Teams an Zeit. Rund 6000 Euro muss jeder Arzt pro Jahr für das Projekt kalkulieren. Das Geld müssen die Mediziner aus eigener Tasche bezahlen, es wird nicht von den Krankenkassen erstattet. Und dennoch sind die beteiligten Ärzte von der Zertifizierung überzeugt, wie gestern der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Kreis Viersen, Dr. Heinz-Peter Maus, berichtete. GNV-Vorstand Dr. Johann Heinrich Arens und der Viersener Arzt Dr. Michael Fritz erläuterten Erfahrungswerte. Die Arztpraxen könnten wirtschaftlicher geführt werden, berichteten sie. Fritz konnte beispielsweise seine Verordnungsquote für preiswertere Medikamente deutlich erhöhen. Es wurden mehr Vorsorgeuntersuchungen vorgenommen, mehr Patienten in speziellen Behandlungsprogrammen versorgt. Entscheidender Vorteil für den Patienten: 81 Prozent der Patienten mit Termin warten in der Praxis Dr. Fritz jetzt weniger als 20 Minuten. Auch flexible Termine seien besser zu koordinieren, so der Mediziner.
Verbessert habe sich auch die Zusammenarbeit mit den beiden Krankenhäusern in Viersen und Nettetal. Dort klappe die Abstimmung der Arzneigaben an die eingewiesenen Patienten besser. „Die Internisten in den Krankenhäusern halten sich an unsere Verordnungen", so Fritz. Für die Ärzte ist auch wichtig, dass sie etwas „gegen das anhaltende Misstrauen gegen die Qualität unserer Arbeit" entgegenzusetzen haben. Denn alle Abläufe sich jederzeit objektiv überprüfbar, so KV-Chef Maus
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