Die Haus- und Fachärzte, die sich im Gesundheitsnetz Viersen zusammengeschlossen haben, setzen auf ein einheitliches Qualitätsmanagement. Sie sehen darin ein geeignetes Instrument, um eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen.
Die Netzärzte im niederrheinischen Viersen haben sich für das Qualitätsmanagementsystem ISO 9001:2000 entschieden. 25 Praxen haben die Zertifizierung bereits abgeschlossen, berichtet Dr. Johann Heinrich Arens, Vorstandssprecher der Gesundheitsnetz Viersen AG. Sie wurden extern von der Dekra geprüft. "Mit der Selbstverpflichtung aller Mitglieder, sich an vorher festgelegte Richtlinien des Qualitätsmanagements zu halten, wollen wir die Struktur unseres Netzwerks stärken und auch nach außen dokumentieren, dass wir für Qualität und Wirtschaftlichkeit stehen", sagt Arens.
Die Gesundheitsnetz Viersen AG wurde im Jahr 2000 gegründet. Im Netz sind zurzeit 61 Praxen zusammengeschlossen. "Ende des Jahres werden wir gut 80 sein", erwartet Arens. Als Kooperationspartner haben sich das Allgemeine Krankenhaus Viersen und die Städtischen Kliniken Nettetal angeschlossen. "Das Ziel der AG ist eine optimierte Patientenbegleitung durch professionelle Kooperation und Kommunikation der im Netzwerk zusammengeschlossenen Ärzte, Krankenhäuser und der anderen Fachberufe des Gesundheitswesens", sagt er.
Die Einführung des Qualitätsmanagement-Systems ist aufwendig. Von ersten Gesprächen bis zur Umsetzung der Leitlinien benötigten die Praxen rund 240 Stunden. Bis jetzt schlage sich das Engagement nicht in gestiegenen Umsatzzahlen nieder. Doch der Mehraufwand lohnt sich langfristig, glaubt der Allgemeinmediziner aus Brüggen.
"Bei der Zertifizierung erlernen und erarbeiten die Mitglieder des Gesundheitsnetzes gemeinsam sektorübergreifende, evidenzbasierte Verfahrensanweisungen und setzen sich Qualitätsziele." Solche Verfahrensanweisungen haben die Ärzte etwa für Diabetes, den diabetischen Fuß, koronare Herzkrankheit, Wundversorgung und Palliativmedizin erarbeitet. Die Arztpraxen verpflichten sich, sich genau an vorher festgelegte Abläufe und Leitlinien zu halten. "Jeder Zertifizierte nimmt eine verbindliche Beschreibung seiner Versorgungsziele vor", berichtet er. Arens nennt einige Vorteile, die sich für Praxen ergeben:
Zurzeit arbeiten die Netzmitglieder daran, ein Fuß-Netz zu organisieren, um Qualitätsstrukturen für die Versorgung von Patienten mit einem diabetischen Fuß zu etablieren.
Die strukturierte Zusammenarbeit der Netzärzte auf Basis des QM bringt bereits erste Erfolge, sagt er. So liegt die Einschreibequote bei DMP höher als im Durchschnitt. Die Praxen haben das Einsparpotenzial bei Generika bereits weitgehend ausgeschöpft. Dass es im Kreis Viersen eine deutliche niedrigere Mortalitätsrate bei Herzinfarkten gibt als im Durchschnitt Nordrhein-Westfalens führt Arens unter anderem darauf zurück, dass die Kliniken gemeinsam mit den Ärzten eine Reihe von Maßnahmen angestoßen haben. Es gebe festgeschriebene Verfahrensabläufe und eine funktionierende Rettungskette bei der Meldung von Herzinfarktsymptomen. "Wir können bereits messen, dass wir etwas zum Positiven verändern", so Arens.
"Mit dem Netz-QM hat das Gesundheitsnetz Viersen ideale Voraussetzungen, um im Kreis Viersen der entscheidende Player zu sein", sagt Arens. Die Krankenkassen wollten für ihre Versicherten eine kostengünstige Behandlung ohne Abstriche bei der Qualität. "Dass das möglich ist, können wir beweisen." Einige Kassen interessieren sich bereits für eine Zusammenarbeit mit den Netzärzten.
Von Ilse Schlingensiepen
Aus der Ärzte Zeitung.de vom 27.10. 2008
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